Drifting Clouds
DRIFTING CLOUDS – wenn die Musik vorbeizieht
Blickt man tagsüber in den Himmel, so stellt man fest, dass Wolken fortlaufend Veränderungen unterworfen sind. Eine Wolke ist keine beständige troposphärische Erscheinung, die, getragen von Strömungen, vorbeidriftet. Sie ist vielmehr Produkt einer Vielzahl von komplexen physikalischen, rückkoppelnden Prozessen. Sie bildet sich, wenn die wolkenformenden Abläufe überwiegen. Sie beginnt sich aufzulösen, wenn die rückbildenden Prozesse die Oberhand gewinnen. Dazwischen wandelt sie sich stetig, bleibt immer in Bewegung, wird verzerrt, verdichtet, geformt und verformt, sie wird bedrohlich, verdunkelt mal die Sonne, lässt kurz danach das gleissende Licht erneut durchscheinen, wird lieblich, zitiert vermeintlich ein bekanntes Bild, zerfällt danach gleich wieder ins Abstrakte. Und vielleicht fragen wir uns: Was war davor? Wo war die Wolke, als der Himmel stahlblau war? Was bleibt danach? Wohin zieht sie sich zurück, wenn sie sich aufgelöst hat?
Das Werk DRIFTING CLOUDS ist eine Einladung, unsere Aufmerksamkeit dem Flüchtigen zu widmen, dem Vorbeiziehenden, den Veränderungen. Wir tauchen ein in einen musikalischen Strom, ergeben uns dem Sog, im Wissen, dass diese Musik von irgendwoher kommen und irgendwohin ziehen muss. Ohne Pause, ohne Unterbruch, in der Schönheit der Vergänglichkeit. Ist es eine Meditation, ein spirituelles Erlebnis gar?
Wir spüren, dass die Musik schon da war, bevor wir sie zu hören beginnen. Gleich der Wolke, deren Grundvoraussetzungen da waren, bevor sie sich am Himmel gebildet hat und sichtbar wurde. Und wir haben die Gewissheit, dass die Musik bleibt, auch wenn sie verklingt, wenn sie sich rückbildet und auflöst.
Mit DRIFTING CLOUDS schenkt uns Mich Gerber Musik, die im Davor wurzelt, uns in der Gegenwart ein Stück begleitet und im Danach nachklingt. So lange wie wir möchten.
Text: Lukas Frey